{"id":11004,"date":"2026-09-29T11:31:13","date_gmt":"2026-09-29T11:31:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kwb-stiftung.de\/?p=11004"},"modified":"2026-09-29T11:31:15","modified_gmt":"2026-09-29T11:31:15","slug":"die-neue-eu-opferschutzrichtlinie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kwb-stiftung.de\/en\/die-neue-eu-opferschutzrichtlinie\/","title":{"rendered":"The new EU Victims&#039; Protection Directive"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Aufgaben jetzt auf Deutschland zukommen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Seit dem 30. Juni 2026 gilt die neue Richtlinie (EU) 2026\/1472 zur \u00c4nderung der europ\u00e4ischen Opferschutzrichtlinie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die ersten Bewertungen fallen \u00fcberwiegend positiv aus. Begr\u00fc\u00dft werden z.B. Verbesserungen beim Zugang zu Hilfe und Strafanzeige sowie die st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung besonders schutzbed\u00fcrftiger Opfer, andere Betr\u00e4ge heben einen verbesserten Zugang zu Unterst\u00fctzung, hervor oder betonen die in der Richtlinie hervorgehobene Bedeutung einer engen Zusammenarbeit von staatlichen Stellen und Opferhilfeorganisationen Klar ist aber auch: Die Richtlinie muss von den EU-Staaten noch in nationales Recht umgesetzt werden. Das muss Deutschland bis Juli 2028 tun. &nbsp;Was muss umgesetzt werden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besserer Zugang zu Informationen und Hilfsangeboten ist eine Zielrichtung der Richtlinie. Die Schaffung einer zentralen Opfer-Hotline, digitale M\u00f6glichkeiten der Strafanzeige und eine fr\u00fchzeitige Information \u00fcber Unterst\u00fctzungsangebote geh\u00f6ren damit auch in das Pflichtenheft der Bundesrepublik. F\u00fcr Betroffene soll dabei nicht die Frage im Vordergrund stehen, welche Stelle f\u00fcr welchen Teil ihres Problems zust\u00e4ndig ist, sondern wie sie m\u00f6glichst schnell die Unterst\u00fctzung erhalten, die sie ben\u00f6tigen. Deutschland steht hier sicher nicht am Anfang. Die teils organisch gewachsenen Hilfenstrukturen und Abl\u00e4ufe besser zu koordinieren, ist aber eine sinnvolle Aufgabe. Wenn zuk\u00fcnftig Hilfsorganisationen auf Opfer zugehen sollen, wird das aber auch eine \u00dcberarbeitung der un\u00fcbersichtlichen M\u00f6glichkeiten des Datenaustausches zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren erfordern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Richtlinie legt einen st\u00e4rkeren Schwerpunkt auf die individuelle Ermittlung besonderer Schutzbed\u00fcrfnisse. Eine Ersteinsch\u00e4tzung dazu soll zuk\u00fcnftig gleich mit dem ersten Opferkontakt erfolgen. Deutschland wird pr\u00fcfen m\u00fcssen, ob gen\u00fcgend qualifiziertes Personal zur Verf\u00fcgung steht, um dies zu verwirklichen. Bei Kindern stellt sich daneben die Frage, ob spezialisierte Angebote wie Childhood-H\u00e4user oder Kinderschutzambulanzen tats\u00e4chlich fl\u00e4chendeckend erreichbar und dauerhaft finanziert sind. W\u00fcnschenswert ist hier, dass die Bundesl\u00e4nder eine transparente Bedarfsplanung koordinieren und entsprechende finanzielle Mittel bereitstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die psychologische Unterst\u00fctzung von Opfern. Im Hinblick auf erste Hilfen verf\u00fcgt Deutschland mit den Traumaambulanzen bereits \u00fcber wichtige Strukturen. Die Richtlinie wirft aber die weitergehende Frage auf, ob Betroffene nach einer ersten Krisenintervention tats\u00e4chlich zeitnah die weitere Hilfe erhalten, die sie ben\u00f6tigen. Angesichts der begrenzten Kapazit\u00e4ten der psychotherapeutischen Regelversorgung ist dies nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine praktische Versorgungsfrage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich geht es um die Frage, was nach einer Straftat mit Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcchen der Betroffenen geschieht. Die M\u00f6glichkeit, Schadensersatzanspr\u00fcche bereits im Strafverfahren geltend zu machen, wird bislang vergleichsweise wenig genutzt. Hier liegt eine Chance, Strafverfahren, zivilrechtliche Anspr\u00fcche und Leistungen der sozialen Entsch\u00e4digung besser miteinander zu verbinden. F\u00fcr Betroffene w\u00e4re viel gewonnen, wenn sie nicht dieselben Tatsachen in mehreren voneinander getrennten Verfahren immer wieder neu darlegen m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Richtlinie bietet f\u00fcr Deutschland die Chance, Opferschutz in Richtung eines koordinierten Unterst\u00fctzungs- und Hilfenangebotes weiterzuentwickeln und hierbei vor allem die Perspektive der Betroffenen st\u00e4rker zum Ausgangspunkt der \u00dcberlegungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier geht es zum Text der Richtlinie:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/HTML\/?uri=OJ:L_202601472\">https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/HTML\/?uri=OJ:L_202601472<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Aufgaben jetzt auf Deutschland zukommen Seit dem 30. 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